Ausbildung und Beruf

IG Metall kritisiert Engineering Card des VDI

 

Die IG Metall hat ein Positionspapier herausgegeben, das sich kritisch mit der Initiative des VDI befasst, eine "Engineering Card", eine Art Berufsausweis für Ingenieure, einzuführen.

Das Dokument, eine Plastikkarte in Scheckkartengröße, soll einen Standard an hochschulischer Ausbildung, beruflicher Erfahrung und Weiterbildungsaktivitäten dokumentieren. Anspruch auf die Karte haben Ingenieur/innen mit Diplomabschluss, oder einem Abschluss, der mit dem „EUR-ACE – Siegel“ ausgestattet ist. Alle anderen Studienabschlüsse sollen durch eine "Registerkommission" geprüft werden.

Die Metall sieht die Einführung eines Berufsausweises für Ingenieure durch den Verein Deutscher Ingenieure und weiterer Verbände (DVT, ZDI) sehr kritisch und empfiehlt ihren Betriebsräten, auf ihre Personalabteilungen zuzugehen. Es muss sichergestellt sein, dass die Engineering-Card bei der Auswahl der Bewerber/innen nicht berücksichtigt wird. Nach § 95 Betriebsverfassungsgesetz bedürfen Richtlinien über die personelle Auswahl bei Einstellungen etc. der Zustimmung des Betriebsrates.

Die Hauptkritikpunkte:

  • Die IG Metall sieht durch den Erwerb der Karte keinen Nutzen für Absolvent/innen und Beschäftigte. Die Kosten stehen dazu in keinem Verhältnis: Mitglieder des VDI können das Dokument gegen eine beträchtliche Gebühr von 95,- € erwerben. Nichtmitglieder müssen dafür 225,- € bezahlen.
  • Die Karte hat eine bestimmte Qualität der Ausbildung zur Voraussetzung und gibt vor, Berufserfahrung und Weiterbildung nach jeweils einfachen Rastern zu dokumentieren. Die Einführung eines solchen Berufsausweises hat also möglicherweise weitreichende arbeitsmarkt- und bildungspolitische Auswirkungen. Sollte zum Beispiel die Engineering Card von der Mehrzahl der Hochschulen und Unternehmen anerkannt werden, dann ist der Schritt zu einer beruflichen Akkreditierung nach angelsächsischem Vorbild nicht mehr weit. Dort reicht ein Hochschulabschluss nicht mehr aus, um sich Ingenieur nennen zu dürfen, sondern man muss Qualifikation UND Berufserfahrung vorweisen. Damit würde der Hochschulabschluss entwertet.
  • Die Karte führt zu einer weiteren Privatisierung im Bildungsbereich. Träger sind private Organisationen.
  • Die datenschutzrechtliche Aspekte sind völlig unklar. Geplant ist eine zentrale Ablage sehr sensibler Informationen.

Zweifellos steht die Ingenieurausbildung in Deutschland durch die Einführung der gestuften Bachelor- und Masterstudiengängen vor großen Herausforderungen: zu viel Stoff in zu kurzer Zeit, stark verschulte Studiengänge, unzureichende Betreuung durch die Lehrenden, schlechte Finanzierungsmöglichkeiten etc.

Aus Sicht der IG Metall bedarf es deshalb aber einer weiteren Verbesserung der Qualität von Studium und Lehre in diesen Fächern. Ein Zurück zum Diplomabschluss für Masterabsolenten/innen, wie ihn zum Beispiel die führenden Technischen Universitäten (TU9) und die technischen Fakultätentage (4ING) fordern, oder die Einführung einer zusätzlichen Registrierung / Anerkennung durch einen Berufsausweis sind der falsche Weg, weil sie die Studienbedingungen nicht verändern.

Juli 2010

 
 

engineering Card

Offensichtlich liegen einige Missverständnisse über die Intention der engineerING card vor. Ich hoffe sehr, mit den nachfolgenden Informationen zur Klärung beizutragen.

Als größte Ingenieurorganisation in Deutschland gibt der Verein Deutscher Ingenieure VDI gemeinsam mit dem Zentralverband der Ingenieurvereine ZBI und dem Deutschen Verband der Technisch-Wissenschaftlichen Vereine DVT die engineerING card heraus. Mit dieser In-formation sollen zum einen die Hintergründe dargelegt werden, die zur Einführung der engineerING card geführt haben. Desweiteren werden die Ziele und die wesentlichen Merkmale der engineerING card erläutert.

Grenzüberschreitende Mobilität spielt auch auf dem Ingenieurarbeitsmarkt eine immer größere Rolle. Es ist zu erwarten, dass sich dieser Trend aufgrund der weiter zunehmenden internationalen Verflechtungen der Wirtschaft noch verstärkt. Zudem liegt in einer gezielten Zuwanderung von Ingenieuren aus dem Ausland auch eine Chance, einen Beitrag zur Deckung der strukturellen Ingenieurlücke in Deutschland zu leisten.

Derzeit ist es allerdings nach wie vor sehr aufwändig, die in Deutschland erworbenen Qualifikationen im Ausland anerkannt zu bekommen, bzw. für im Ausland erworbene Qualifikationen die Anerkennung in Deutschland zu erhalten. In Deutschland liegt die Zuständigkeit für die Anerkennung von im Ausland erworbenen Ingenieurqualifikationen je nach Bundesland bei den Regierungspräsidien oder bei den Ingenieurkammern. In jedem Fall wird für die Anerkennung eine Reihe von Dokumenten benötigt, die amtlich beglaubigt und übersetzt werden müssen. Das Anerkennungsverfahren ist dann langwierig und teuer.

Die Europäische Union fordert in ihrer Mobilitätsrichtlinie 2005/36/EG die gegenseitige Anerkennung von Berufsqualifikationen, um Hindernisse beim Arbeitsplatzwechsel zwischen den einzelnen Mitgliedsstaaten zu beseitigen. Ursprünglich standen hierfür mehrere Instrumente zur Verfügung. In den vergangenen Jahren hat sich allerdings gezeigt, dass ausschließlich Berufsausweise für die einzelnen Berufsgruppen zum erwarteten Ergebnis führen können. Deshalb gibt es derzeit zahlreiche Bestrebungen in Europa, Berufsausweise für die einzelnen Berufsgruppen einzuführen. Die EU hat die zuständigen Organisationen wie z.B. Berufsverbände aufgefordert, entsprechende Formate zu entwickeln.

Vor diesem Hintergrund hat der VDI die Initiative ergriffen und von der Dachorganisation der europäischen Ingenieurverbände FEANI das Mandat erwirkt, einen europäischen Berufsausweis für Ingenieure zu entwickeln. Dieser Berufsausweis dient ausschließlich zur Dokumentation von erworbenen Berufsqualifikationen. Ob diese Qualifikationen ausreichen, um bestimmte Ingenieurtätigkeiten auszuführen, wird nicht auf dem Ausweis festgeschrieben und kann in den einzelnen Ländern unterschiedlich geregelt werden. Aufgrund der eindeutigen Dokumentation der erworbenen Berufsqualifikationen kann jedoch jederzeit leicht festgestellt werden, ob ein Bewerber die jeweils geforderte Qualifikation besitzt, wodurch aufwändige Anerkennungsverfahren zukünftig entfallen können.

Mit Blick auf die internationale Durchsetzbarkeit eines solchen Ausweises ist es erforderlich, dass für die Dokumentation der Berufsqualifikationen international gültige Standards wie z.B. der europäische Qualifikationsrahmen eingehalten werden.

Die engineerING card ist somit eine Dienstleistung für mobilitätswillige Ingenieure, die sich mit dieser Karte umständliche Anerkennungsverfahren ersparen wollen. Sie kann von allen Personen beantragt werden, die über den Abschluss eines ingenieurwissenschaftlichen Studiums verfügen. Die Ausgabe der Karte erfolgt auf freiwilliger Basis und ist nicht an eine Mit-gliedschaft gebunden. Die engineerING card dient ausschließlich der Dokumentation von erworbenen Qualifikationen.

In Deutschland wurde die engineerING card im April 2010 eingeführt. Am 1. Oktober 2010 hat der europäische Dachverband der Ingenieurvereine FEANI über die europaweite Einführung der Karte positiv entschieden. Daher ist zu erwarten, dass die Europäische Kommission im Zuge der Überarbeitung der Richtlinie 2006/36/EG die auf dem Berufsausweis dokumentierten Daten europaweit anerkennt, womit die einleitend beschriebenen aufwändigen Anerkennungsverfahren entfallen können.

VDI: Sprachrohr der ausbeuterischen Arbeitgeber

Wieder einmal will uns das Arbeitgeber-Sprachrohr VDI (bitte nicht mit Verein Deutscher Ingenieure ausschreiben, denn er vertritt eben NICHT die Ingenieure, sonst würde er sich für Jobs und gute Gehälter und gegen Zeitarbeit und Lohndumping einsetzen) vor Augen führen, wie unnütz und austauschbar wir doch sind.Herr Funk, kleine Info: der "strukturelle Ingenieurmangel" existiert nicht. Wir haben ÜBERHAUPT KEINEN Ingenieurmangel, wenn dann eher eine Ingenieurschwemme (s. auch DIW im Gegensatz zum vom VDI beauftragten Arbeitgeberinstitut IW).Schade dass ich Ingenieur bin. In JEDEM anderen Beruf kann man glücklich werden. Schande VDI als Totengräber des Ingenieurberufs!

engineering Card

Lieber Herr Funk, vielen Dank für Ihren Kommentar. Aus Ihrer E-Mail-Adresse geht (leider nur für mich als Admin sichtbar) hervor, dass Sie hier für den VDI sprechen. Würden Sie sich bitte den anderen Leser/innen vorstellen?
Mit freundlichen Grüßen,
Vanessa Barth
(Redaktion)

E Card VDI > nein

Ich lehen diese E Card ab. Es kann und darf nicht sein, dass hier der Protektionismus an erster Stelle steht. Die E Card ist schädlich für den Ruf des deutschen Ingenieur.

Lesen sie bitte auch die Anmerkungen eine Studenten.

Benedikt Bührle schreibt:

danke für die mail, sehr interessant, das höre ich zum ersten mal!
Ich muss allerdings auch der IG Metall zustimmen! Ich sehe auch keinen wirklichen Nutzen in der Karte und der Punkt mit der Privatisierung ist nicht zu verachten. Ich meine auch, dass es nicht notwendig ist, bei den ganzen Versuchen die Hochschulabschlüsse zu vereinheitlichen (Bolonga-Prozess) wäre genau dies wieder ein Schritt in die andere Richtung!? Es kommt noch dazu, das private Siegel über den staatlichen Hochschulabschlüssen stehen würden! Am schluss muss man sich dann als student eine Uni aussuchen, welche dieses Siegel erworben hat, um auf dem Arbeitsmarkt eine reelle Chance zu haben! So etwas verschlechtert die Qualität unserer Ausbildung, wenn man sich die Uni nicht nach dem Lehrinhalt aussuchen kann, sondern nach dem Angebot an "prüf-siegeln". Unsere Generation an Studenten trifft sowiso derzeit Entscheidungen, im Bezug auf die Bildung, für den Lebenslauf und nicht frei nach dem eigenen Interesse. Anders gesagt, will jeder möglichst viele Punkte sammeln indem man viele Praktikas in sozialen Einrichtungen gemacht hat.... weil es gut aussieht oder sogar verlangt wird! Die Studenten schauen quasi nach, was der Arbeitsmarkt will und richtet sich danach, obwohl man eigentlich etwas aneres machen will. Wenn es jetzt diese Karte gibt und manche Universitäten bieten dieses System nicht an (weil sie z.B. kein Geld zum Erwerb dieses Siegles haben), werden sich mit Sicherheit einige Studenten gegen diese betroffenen Universitäten entscheiden. Im schlimmsten Fall auch, wenn die Uni auch noch besser wäre, aber das spielt ja dann keine Rolle mehr auf dem Arbeitsmarkt. Die Hauptsache ist doch das man diese Karte hat, ob man etwas gelernt hat oder nicht spielt ja keine Rolle!!!

Ablehnung der Engineering Card des VDI

Ich stehe hinter dem Positionspapier der IG Metall zur Engineering Card des VDI.

Tatsächlich sehe ich hier aber auch einen schmutzigen Versuch einer unehrlichen Mitgliederwerbeaktion des VDI. Man erkennt leicht an den Preisvorstellungen („Mitglieder des VDI können das etwa scheckkartengroße Dokument gegen eine beträchtliche Gebühr von 95,- € erwerben. Nichtmitglieder müssen dafür 225,- € bezahlen.“ aus IG Matall Positionspapier), dass zu Lasten der Betroffenen eine überflüssige Institution neu geschaffen werden soll.

Die Gefahr sehe ich in der schleichenden Anerkennung eines solchen „Gütesiegels“, das niemand wirklich wollen kann. Durch unreflektierten Kauf dieser leicht erreichbaren „Kommerzanerkennung“ (reine Geldsache, denn die Betroffenen verstehen ja nach der staatlich anerkannten Ausbildung wohl ihr Handwerk) würde die Engineering Card des VDI nach und nach doch noch etabliert. Dies könnte z. B. geschehen durch frischgebackene Ingenieurinnen und Ingenieure, die sich natürlich erfolgreich bewerben wollen.

Also ganz klare Handlungsaufforderungen:
1. An alle Ingenieurinnen und Ingenieure: Nicht machen! Tatsächlich ist das schwer erkämpfte Zeugnis/die Erfahrung etwas wert und nicht ein beim VDI gekauftes „Gütesiegel“.
2. An den Staat/die Länder/die Hochschulen: Bildung nicht privatisieren – das ist nur was für Reiche.
3. Und an alle Betriebsräte: Die Personaler nach den Vorgaben aus dem Positionspapier der IG Metall bearbeiten.

Engineering Card des VDI - es geht auch ohne

Ich kann mich dem Positionspapier der IGM nur voll und ganz anschließen.

Nebenbei: Wem soll denn diese ganze europaweite Flexibilität von Ingenieuren eigentlich in erster Linie nützen? Und wo liegt bei dem Thema heute wirklich das Problem? Wenn ich mich in meinem direkten Umfeld umschaue, dann sehe ich jede Menge junge Ingenieure, die nicht nur aus Europa, sondern aus der ganzen Welt kommen. Und das ist auch gar nicht schlecht. Aber sind Ingenieure für den Arbeitsmarkt der Zukunft nur noch als vollflexible Arbeitsnomaden interessant, die sich heute hier und morgen da bewerben können und von denen man das deshalb irgendwann auch erwarten wird? Mancher "Möglichkeit" kann man sich irgendwann gar nicht mehr entziehen und sie wird zum Zwang. Wenn ich mich heute innerhalb Europas verändern wollte, dann würde ich dabei eigentlich keine Hindernisse erwarten, die ich mit einer Engineering-Card nicht hätte. Aber will ich das überhaupt? An mir hängt inzwischen eine 6-köpfige Familie, die meinen Drang zu einem Nomadenleben wohl kaum teilen würde. Viel wichtiger als eine Flexibilität innerhalb Europas ist daher für mich ein Arbeitsumfeld, das mir Flexibilität und Kreativität an meinem derzeitigen Arbeitsplatz ermöglicht, unter Beibehaltung des Lebensmittelpunktes meiner ganzen Familie.
Ja, auch Ingenieure sind soziale Wesen. Und das bleibt hoffentlich auch so! Mein persönliches Fazit zur Engineering-Card lautet daher: Kein Bedarf - nicht mal geschenkt!

Wer es braucht ...

Aus eigener Erfahrung halte ich eine anerkannte (wenn sie es denn dann ist) internationale Legitimation eines deutschen Abschlusses für sinnvoll. Der, meiner Meinung nach gescheiterte, Bologna-Prozess hilft zwar durch Angleichung der Titel (Master, Bachelor) aber Inhalte und Struktur des Studiums haben dadurch in Deutschland schwer gelitten. In Amerika scheint der Trend ja wieder in Richtung einstufiges Studium zu gehen ...
Als deutscher Ingenieur in Deutschland bringt mir diese Karte nichts (also brauche ich mir auch keine Gedanken um "ERA" o.ä. zu machen ... ein Techniker bekommt diese Karte ohnehin nicht!) aber als Freiberufler mit geplanten Tätigkeiten im Ausland oder für Bewerbungen ins Ausland scheint mir dieser Weg des VDI, tatsächliche internationale Anerkennung vorausgesetzt, durchaus sinnvoll.
Für arbeitssuchende Ingenieure aus dem Ausland kann dieselbe Erleichterung gelten.
Ob der VDI damit "Lohndumping" unterstützt, halte ich für fragwürdig. Ein guter Ingenieur möchte auch angemessen verdienen und den Lebensunterhalt in Deutschland bestreiten können. Hier vertraue ich auf die Unterstützung der Gewerkschaften, damit auch für diesen Berufsstand generell ein angemessenes Lohnniveau erhalten bleibt.
Kritisch sehe ich allein den Versuch, Qualifikation zu zertifizieren. Schlüsselqualifikationen wie z.B. Kommunikations- und Teamfähigkeit ergeben sich nur indirekt aus Zeugnissen oder Erfahrungsübersichten. Schlussendlich wird jeder Bewerber nach grundsätzlichen Qualifikationen und firmeninternen Kriterien eingestellt. Wenn es in der Praxis nicht passt, ändert auch keine Karte etwas am vorzeitigen Vertragsende in der Probezeit.